sitem-insel Professur: Applied Data Science and Decision Support Systems

Die sitem-insel Professur für Applied Data Science and Decision Support Systems fokussiert sich auf die Entwicklung und Anwendung datenwissenschaftlicher Methoden zur Unterstützung klinischer Entscheidungsprozesse. Ziel ist es, medizinische Daten systematisch zu nutzen und digitale Werkzeuge zu entwickeln, die die Diagnosegenauigkeit erhöhen und die Behandlungen gezielter, schneller und wirksamer machen. Durch die intelligente Verknüpfung heterogener klinischer Daten entstehen Modelle, die Krankheitsverläufe früher erkennen, Risiken präziser einschätzen und Therapieentscheidungen evidenzbasiert unterstützen. So trägt die Professur dazu bei, dass klinische Teams Krankheiten zuverlässiger identifizieren und für Patientinnen und Patienten individuell passende Behandlungsstrategien entwickeln können. In enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Radio-Onkologie am Inselspital werden datengetriebene Ansätze erforscht, validiert und in die klinische Praxis überführt.

Forschungsfokus

Die Professur verbindet Methoden der Datenwissenschaft, künstlichen Intelligenz und Systementwicklung mit konkreten klinischen Fragestellungen. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Entscheidungsunterstützungssystemen, die komplexe medizinische Informationen verständlich, transparent und praxisnah aufbereiten.

Ein zentraler Forschungsschwerpunkt der Professur liegt in der Partikel- und Protonentherapie, wo Data Sciences und Decision Support Systems adaptive Therapie-Workflows und personalisierte Behandlungsansätze ermöglichen. Durch den Einsatz fortgeschrittener computergestützter Modelle untersucht die Forschungsgruppe, wie präzises Targeting die Behandlungsergebnisse verbessern und Nebenwirkungen reduzieren kann. Diese translationale Forschung ist in europäische Trainingsnetzwerke eingebettet, fördert interdisziplinäre Ausbildung und internationale Zusammenarbeit und wird durch enge Partnerschaften mit dem Center for Proton Therapy (CPT) am Paul Scherrer Institut (PSI) sowie OncoRay an der TU Dresden gestärkt. So wird sichergestellt, dass Forschungsergebnisse direkt mit der klinischen Anwendung verknüpft sind und konsequent auf den Nutzen für Patientinnen und Patienten ausgerichtet werden.

Einbettung sitem-insel

Das sitem‑insel vereint Forschung, Translation und patientennahe Anwendung unter einem Dach – eine Struktur, die es ermöglicht, digitale Methoden nicht im Labor, sondern direkt im Umfeld realer klinischer Fragestellungen zu entwickeln.

Durch die enge räumliche und organisatorische Verzahnung mit klinischen Partnern, technischen Plattformen und regulatorischer Expertise entsteht am sitem-insel ein Umfeld, in dem datengetriebene Modelle schnell validiert, in klinische Workflows integriert und gemeinsam mit Ärztinnen, Forschenden und Industriepartnern weiterentwickelt werden können. Die Professur profitiert dabei von kurzen Wegen, interdisziplinären Teams und einem Ökosystem, das konsequent auf Translation, Qualität und Patientennutzen ausgerichtet ist.

So wird gewährleistet, dass neue Entscheidungsunterstützungssysteme und KI‑basierte Methoden nicht nur wissenschaftlich exzellent sind, sondern auch praktikabel, sicher und klinisch relevant – und damit einen direkten Beitrag zur Verbesserung von Diagnose, Therapie und Versorgung leisten.

Die Professur ist zudem eng mit der sitem‑insel School verknüpft, die als Weiterbildungs- und Ausbildungsplattform eine zentrale Rolle in der Qualifizierung zukünftiger Fach- und Führungskräfte im Bereich der translationalen Medizin spielt. Durch diese Anbindung fliessen neueste Erkenntnisse aus Data Science, KI‑gestützten Entscheidungsunterstützungssystemen und digitaler Medizin unmittelbar in die Lehre ein. Studierende und Teilnehmende profitieren von praxisnahen Fallstudien, interdisziplinären Projekten und dem direkten Zugang zu klinischen und technologischen Innovationsumgebungen. Gleichzeitig ermöglicht die School der Professur, Nachwuchstalente frühzeitig einzubinden, Kompetenzen gezielt aufzubauen und eine neue Generation von Expertinnen und Experten auszubilden, die datengetriebene Innovation verantwortungsvoll in die klinische Praxis tragen. 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Professur ist mit dem Department of Digital Medicine (DDM) der Universität Bern affiliiert und trägt dort aktiv zur digitalen Transformation der Medizin bei. Diese Einbettung schafft ein Umfeld, in dem klinische Expertise, Informatik, Ingenieurwissenschaften und regulatorisches Know-how systematisch zusammengeführt werden. Die Professur fungiert dabei als Brücke zwischen klinischer Praxis und digitaler Methodik und stärkt die Fähigkeit des DDM, evidenzbasierte, KI‑gestützte Entscheidungsunterstützung in Diagnostik und Therapie zu etablieren.

Internationale Vernetzung

Die Professur ist tief in internationale Forschungsnetzwerke eingebunden, die den Austausch von Wissen, Talenten und Technologien fördern. Ein zentrales Beispiel ist das RAPTORPLUS Konsortium, ein von der Europäischen Union gefördertes Marie‑Skłodowska‑Curie Doktorandennetzwerk (2026–2029) mit 18 PhD‑Projekten. Aufbauend auf den Vorgängerinitiativen RAPTOR, entwickelt das Netzwerk Methoden für adaptive Partikeltherapie, um Behandlungen präziser, sicherer und patientenspezifischer zu gestalten. Ergänzend dazu leitet die Professur das INITIATE‑Projekt (SNF, 2025–2029), das die klinische Translation von Protonenradiographie und qualitätskontrollierten synthetischen CTs vorantreibt – ein entscheidender Schritt hin zur täglichen adaptiven Protonentherapie.

Darüber hinaus ist die Professur Gründungsmitglied und Lead der internationalen EXTENT‑Arbeitsgruppe, die 2025 ins Leben gerufen wurde und derzeit 17 Partikeltherapiezentren aus Europa und den USA vereint. Ziel dieser transatlantischen Initiative ist es, die Vorhersagekraft von Behandlungsergebnissen über klassische Dosis‑Volumen‑Modelle hinaus zu erweitern und neue, datengetriebene Paradigmen für die personalisierte Strahlentherapie zu entwickeln. Diese starke internationale Vernetzung stellt sicher, dass Forschungsergebnisse nicht isoliert entstehen, sondern im globalen Austausch reifen und schnell in die klinische Anwendung gelangen. 

Zielsetzung

Die sitem-insel Professur verfolgt das Ziel, datenbasierte Innovationen nachhaltig in die medizinische Praxis zu überführen. Durch interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit sollen digitale Lösungen entstehen, die die Qualität der Versorgung verbessern und die personalisierte Medizin weiter vorantreiben.